• Dirk

Das Nokia Fiasko und die deutsche Automobilindustrie – Sind wir mutiG Genug?

Nokia war einmal der größte Hersteller von Mobiltelefonen. War er, bis die Vorstellung des iPhones einen ganzen Markt innerhalb weniger Jahre völlig veränderte.

Die neuerlichen Erfolge von Tesla haben mich bewegt. In 2019 verkaufte Tesla weltweit 367.500 Fahrzeuge und offensichtlich scheinen Sie die Probleme in der Fertigung in den Griff bekommen zu haben. Neulich hatte ich die Gelegenheit in einem Model 3 mitzufahren. Und es entwickelte sich das Gefühl: Wenn ich nochmal ein Auto brauche, dann kommt das Model 3 in die engere Wahl. Nur weil ich mitgefahren bin. Nicht wegen irgendwelcher Leistungsparameter. Sondern weil ein Model 3 eben doch kein Auto ist, wie man es von unseren deutschen Automobilherstellern kennt. Und das liegt an mehr als nur an der Antriebsart.

Zur gleichen Zeit kreuzte das folgende Video meinen Weg. Mathias Müller, der damalige Vorstandsvorsitzende von Volkswagen äußert sich 2017 zu Tesla. Schaut selbst:



Müller spricht davon, dass es Unternehmen gibt, die mit Mühe 80.000 Auto bauen und VW 11 Millionen pro Jahr. Tesla erreichte 2016 76.230 verkaufte Fahrzeuge. Matthias Müller erntet Applaus für seine Darstellung aus dem Publikum. Doch wie würde er die Situation heute bewerten? Wie würde das Publikum heute reagieren, klatscht es doch in 2017 vielleicht auch, weil es genau das zu hören bekommt, was es hören möchte. Ok, das ist Spekulation. Genug davon.

Doch die Art und Weise wie Matthias Müller über Tesla spricht empfinde ich alarmierend. Klar ist es heute einfach zu sagen, er hat Tesla unterschätzt. Auch wenn Tesla nochimmer wesentlich weniger Fahrzeuge als Volkswagen verkauft. Wirklich alarmierend ist die in dem Gespräch gezeigte Unwilligkeit von Matthias Müller, Tesla als wertvollen Rivalen anzuerkennen. Als einen Rivalen, der einiges weniger gut macht als man selbst als etablierter Player. Und gleichzeitig ganz offensichtlich zeigt, wo unsere Reserven liegen. Matthias Müller fokussiert sich auf die Schwächen des Konkurrenten. Er verweigert Tesla den Status wertvoller Rivale. Er redet den Konkurrenten klein und stellt die Übermacht von Volkswagen dar. Schade. Denn damit übersieht er jede Menge Chancen von seinem Rivalen zu lernen.

Aktuell klingen die Töne von Herbert Diess deutlich mehr nach Wandel bei Volkswagen. Nach „heiligen Kühen“, die heute offen in Frage gestellt werden. Da spricht er offen von einem „Durchbruch“. Einem Durchbruch in Bezug auf die Elektromobilität für die Jahre 2020/2021.


"Was uns fehlt, das sind vor allem Schnelligkeit und der Mut zu kraftvollem, wenn es sein muss radikalem Umsteuern“ so Herbert Diess.


Was würden wir verlieren, zeigten wir uns offen. Offen für das was unsere Marktbegleiter präsentieren und „auf die Straße“ bringen. Wir würden unsere Sicherheit verlieren, dass alles so weiter gehen kann wie bisher. Das stimmt. Sich zu verändern macht uns Angst. Vielen. Und doch gibt es mindestens einen gelingenden Umgang: Wir können und dürfen Neues ausprobieren. Wie damals als Kinder, als es jeden Tag etwas neues zu entdecken gab. Wir könnten wieder Räume schaffen und unsere Mitarbeiter ausprobieren lassen. Um spielerisch Neues zu lernen. Statt den Mitarbeitern den vermeintlich richtigen Weg vorzugeben. Effektivität über Effizienz priorisieren. Und wir könnten uns selbst ausprobieren. Als Führungskraft. Als Mensch. Altes Wissen entlernen. Neues erlernen. Und anwenden. Wir würden erleben, dass wir selbst wirksam sind in dem was wir tun. Dafür braucht es Mut. Und Vertrauen. In uns selbst. Und in unsere Vorgesetzten und Mitarbeiter. Dies erlaubt uns einen Weg zu finden, der uns eine gute Chance bietet unseren Platz neu zu gestalten.


Seid Ihr dabei? Mit Angst und Mut? Oft tue ich mich damit auch schwer. Dann male ich mir ein Bild in meinem Kopf, in dem der Wandel gelungen ist. Trotz Angst. Und mit Mut. Und dann wird der nächste Schritte plötzlich ganz klar.

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