• Dirk

Was hat ein Kreisverkehr mit guter Führung zu tun?



Durch einen Kreisverkehr zu fahren bedeutet Verantwortung zu haben und nach einfachen Prinzipien Entscheidungen zu treffen:

Vorm Kreisel langsamer werden, dem im Kreisverkehr befindlichen Verkehrsteilnehmer die Vorfahrt lassen und beim Ausfahren blinken. Klingt einfach. Ist es auch: Der Errichter des Kreisverkehrs traut jedem Fahrzeugführer diese Entscheidung zu und erlaubt damit einen für alle Beteiligten guten Verkehrsfluss. Das ist das Ziel: Die Fahrzeuge kommen nach kurzer Reduzierung der Geschwindigkeit gut voran. Der Fahrzeugfluss aus allen Fahrtrichtungen ist gut und reißt nie vollständig ab.


Anders bei einer Ampelkreuzung. Sie regelt die Fahrzeugströme im Detail. Durch Anhalten lassen und Freigeben des Verkehrs mit den Signalen rot, gelb und grün. Klingt auch einfach. Doch es braucht viel mehr: Detaillierte Regeln für Links- und Rechtsabbieger wann und wie abgebogen wird, evtl. zusätzliche Spuren und Markierungen auf der Straße und eine Ampelanlage die gekauft, programmiert und gewartet werden muss. Das Resultat: Man traut dem Verkehrsteilnehmer nicht zu, dass er selbst die Entscheidung treffen kann, wann ein Überqueren der Kreuzung möglich ist. Dafür wird ein technisches Instrument mitsamt umfangreichem Regelwerk installiert, dass diese Verantwortung in Stellvertretung übernehmen soll. Der Fahrzeugführer wird dadurch der eigenen verantwortungsvollen Entscheidung enthoben. Es wird Regeleinhaltung getreu dem Motto: „Bei rot bleibst Du stehen, bei grün darfst Du gehen“ erwartet.


Und was hat das alles jetzt mit mir als Führungskraft zu tun? Vertraue ich meinen Mitarbeitern, dass sie auf Basis einfacher Prinzipien, entsprechend der Unternehmensvision geeignete Entscheidungen treffen? Hat mein Unternehmen überhaupt eine Vision, anhand derer sich viele Entscheidungen unmittelbar ableiten lassen? Oder möchte ich in meiner Rolle Ampeln aufstellen, die alle Möglichkeiten im Detail regeln und nur die zuverlässige Regeleinhaltung erfordern? Sind in manchen Fällen einfach Ampeln angezeigt, weil es darum geht regulatorische Anforderungen zu erfüllen? Unter welchen Umständen kommt es zu einer Kombination aus Ampel und Kreisverkehr, die völlig verwirrend ist und womöglich die Schwächen beider Systeme verbindet?


Wie haltet ihr es mit dem Vertrauen? Traut Ihr Euch Vertrauen an Eure Mitarbeiter zu verschenken? Oder muss man sich Vertrauen verdienen? Sozusagen ein paar Mal richtig über die Ampelkreuzung gefahren sein, dass man dann auch den Kreisverkehr benutzen darf? Und was ist, wenn Ihr einen Vorgesetzten habt, der lieber Ampeln baut, statt Kreisverkehre?


Ich selbst mag ja Kreisverkehre. Sehr.

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